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KW 44 2002

20.10. - 26.10.2002

Es ist mal wieder Sonntag, nach einem ausgelassenem Samstagabend, mal wieder Zeit einen ausgiebigen Strandtag einzulegen. Ganz in der Nähe von Juan Griego liegt der wunderschöne Strand Playa Caribe. Ein Strand an dem natürlich die frischen Austern und die guten Strandrestaurants nicht fehlen ( ich lasse mir beides schmecken ). Eine herrliche Brandung rauscht hier und die Sonne strahlt nur so herunter, schön, nur wohl ein wenig viel.
Da mich eh schon einige Tage eine leichte Halsentzündung plagt, merke ich jetzt am Sonntagabend, das ich wohl ziemliches Fieber habe. Und so ist es, 39 Grad lassen mir nur noch die Wahl, zu versuchen das Fieber ein wenig zu senken und mich mit ein paar Aspirin in die Koje zu hauen. Wird am kommenden Morgen schon besser sein. Von wegen, das Fieber ist genauso hoch und der Hals ist dicht. So mache ich mich in aller Früh auf in ein Hospital auf der Isla Margarita, dessen Ambulance für die Behandlung von leichten Fällen vorgesehen ist. Und was mich hier erwartet ist wirlich toll. Sicher ist die Ausstattung nicht mit europäischem Standard vergleichbar, dafür werden die Patienten freundlich und zuvorkommend behandelt, und das obwohl es schon recht voll. Ich muss nicht lange warten und die Fachkenntnis ist auch sehr hoch. Schnell haben sie erkannt was fehlt, ein Arzt und eine Ärztin beraten sich gemeinsam, was sie auf das Rezept schreiben und erklären mir es mir dann ausführlich. Gut das meine Spanischkenntnisse schon so weit sind, das wir uns verständigen können. Eine aufmerksame Schwester verpasst mir noch eine Infusion gegen das Fieber und dann gibt es noch ein freundliches Adios und ein Händeschütteln und das wars. Und die Rechnung dafür?
Fehlanzeige! Das ganze war auch noch gratis. Bemerkenswert, oder?
Draussen wartet das Taxi mit dem ich gekommen bin und wir machen uns auf die Suche nach einer offenen Apotheke. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit, da Generalstreik ist. Im ganzen Land sind so gut wie alle Geschäfte geschlossen und niemand arbeitet, um gegen die Regierung zu protestieren und Neuwahlen zu erwirken. Aber auch die Apotheken, wie auch die freundlichen Menschen im Krankenhaus sichern für ihre Landsleute die Grundversorgung, so das auch ich durch das geschlossenen Gitter einer Apotheke das bekomme, was ich benötige. Danach mache ich mich schnell auf den Rückweg, noch das Dinghy vom Strand ins Wasser gezogen und zurück aufs Schiff. Da hab dann erstmal gefrühstück und die Medikamente genommen und das wars dann für den Tag.
Am Dienstag geht mir schon viel besser, so dass ich ein paar frische Sachen einkaufen gehe. Ich hatte ja vor bereits am Montag nach Blanquilla zu segeln, hatte es dann auf Donnerstag verschoben, aber nach ein Winddrehung stinkt es gewaltig aus der nahgelegenen Salzwasserlagune, so dass Silver Blue bereits am Mittwochfrüh Ankerauf geht.
Bis Blanquilla sind es knapp 60 Seemeilen und es ist wiedermal eine wahre Freude zu segeln. Bei 4-5 Beaufort und mit einen Reff im Grossegel läuft Silver Blue beständig 8 - 9 Knoten. Unterwegs gehe ich mal kurz auf "Tuchfühlung" mit einem philipischen Frachter, der der meinen Weg kreuzt. Sicher habe ich unter Segeln Wegerecht, aber man muss doch nicht mitten auf dem Meer ein kommerzielles Schiff zum ausweichen zwingen! So gehe ich, als klar wird, das eine Kollision unausweichlich wäre, kurz mehr vor den Wind und lasse die Segel ein wenig flattern. Der Frachter mit ca. 100 Autobussen an Deck, passiert mich in unmittelbarer Nähe und der Captain grüsst mich von der Brücke.
Dank des guten Speeds fällt bereits am Nachmittag der Anker vor einen wunderschönen Sandstrand auf Blanquilla.
Und wer ist auch hier, und das bereits seit über 2 Wochen? Die Yacht "Julia". Denen gefällt es so gut hier, dass die auch noch ein wenig bleiben wollen. Obwohl Blanquilla eine sehr flache und recht karge Insel ist, ist es auch wirklich schön hier und es gibt viel zu entdecken. Bewachsen ist die Insel von niedrigen Sträuchern und Gräsern, einigen wenigen knorrigen Bäumen und von einer Unmenge an Kakteen, die teilweise gewaltig gross sind:

    

Die Tierwelt findet sich hier hauptsächlich unter Wasser. In den herrlichen Korallen direkt am Ufer tummeln sich massenhaft bunte Fische. An Land nicht so viel. Einige Esel leben auf der Insel, von denen man allerdings nur die Exkremente sieht und abends die Laute hört. Eine ganz besondere Tierart lebt allerdings hier, und nur hier auf Blanquilla. Schwarze Echsen, die hier doch in einer stattlichen Anzahl ganz niedlich herumwusseln.
Die Insel ist vulkanisch, am Ufer finden sich viele versteinerte und zum Teil von Lava eingeschlossene Korallen.
  

Vor 50 Jahren waren scheinbar auch noch mehr Bewohner da. Davon zeugen einige alte, verfallenen Häuser, von denen die Natur wieder Besitz genommen hat. Heute leben ausser der Crew der Costguard nur zeitweise ein paar Fischer hier, und das dann in recht einfachen Camps.

          

Am Samstag wollen die Fischer grade wieder mit ihrem Fang nach Mararita zum verkaufen fahren, ich halte sie auf und erstehe nach einigen Verhandlungen günstig einen schönen frischen Fisch ( hatte noch kein Angelglück hier ). Nach dem Putzen kommt der komplett mit ein paar Kartöffelchen in den Ofen und nach einer Stunde lasse ich mir den mit einen Gläschen Weisswein zum Sonnenuntergang schmecken. Kann das Leben schöner sein........................

In der kommende Woche mehr Impressionen von Blanquilla und was sonst noch so passiert ist,

bis dahin wünsche ich euch alles Gute!

TOM