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Logbuch

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KW39 2001

23.09.2001 - 30.09.2001

Es ist Sonntag der 23.09. um Mitternacht und wir befinden uns noch in den Weiten des Atlantiks. 80 Meilen trennen uns noch von unserem Ziel!
Auch die vorläufig letzte Wache machen wir im 3 Stunden Rhythmus. Tom von 21:00 Uhr bis Mitternacht, Andi von Mitternacht bis 03:00 Uhr und dann darf ich bis um 06:00 Uhr.

So zeigt das GPS um 05:43 Uhr ( Ortszeit ) noch 50 Meilen. Mittlerweile zählt man fast jede einzelne Meile die gemacht wird beziehungsweise die wir dem Ziel näher kommen.
Die Nacht ist vorbei und zur Belohung erleben wir einen gigantischen Sonnenaufgang.
Das war um 07:20 Uhr und exakt 1 Stunde und 7 Minuten später brüllt Thomas über Deck: „ Land in Sicht!"
Nun dauert es nicht mehr lange! Allerdings müssen wir die letzten Meilen mit der Dieselfock zurücklegen. Doch hierfür werden wir ein klein wenig „entschädigt" denn wir sehen wieder Delphine. Es ist einfach immer wieder schön und immer wieder erwähnenswert.

  
Sonnenaufgang

Tja, die ansonsten hier vorherrschenden stabilen Passatwinde haben uns wirklich schmählich im Stich gelassen, leider. Vermutlich hat der Hurrikan Felix auf seinem Weg zu den Azoren hier einiges durcheinander gebracht.
Doch wir haben es geschafft: Wassertiefen von 2730 m haben wir überfahren, ein dickes Gewitter durchfahren, 7 Tage und Nächte waren wir unterwegs, um genau zu sein 170,5 Stunden, 653 Seemeilen haben wir hinter uns gebracht und nun ist es soweit! 17:30 Uhr, der Anker liegt auf dem Meeresgrund in der Bahia del Salado vor der Insel La Graciosa und der Korken von der Schampusflasche knallt!
WIR SIND DAAAAAA! Jippiiiii
Darauf trinken wir doch gebührend einen kräftigen Schluck.
Freuen uns das wir hier sind, es geschafft haben und genießen die wunderschöne Umgebung und Landschaft.
La Graciosa ist eine unter Naturschutz stehende Insel nördlich von Lanzarote. Die Meerenge Estrecho del Rio, die an der engsten Stelle gerade mal eine halbe Seemeile breit ist, trennt die beiden Inseln voneinander. Doch hier gibt es Menschen, die schwimmen einfach mal rüber, nach Lanzarote. Eine ganze Gruppe von Schwimmern ist ohne Begleitboot unterwegs um diese Meerenge zu überqueren.
Der einzige Hafen der Insel, in dem schöne bunte Fischerboote liegen, ist in La Sociedad. Thomas und Andi fahren dort hin um die Lage zu checken, ob man hier einklarieren kann. Man kann nicht! Leider.
Was bedeutet, wir können hier auch nicht etwas länger verweilen, also geht es dann morgen direkt weiter. So gehen wir nach einem gemütlichen Abendessen und einem Schlummertrunk ab in die Kojen und jeder von uns darf die ganze Nacht durchschlafen, und dass ohne Seegang und ohne brummen der Motoren.


Am Montag Morgen sind schon ganz früh fleißige Fischer mit ihren bunten Booten unterwegs.

  
Thomas sieht, wie diese einen Sardinenschwarm fangen und einholen.
Damit geht es dann zurück in den Hafen um den Fang zu feiern. Ein Fischer bleibt noch da. Dem zusehen ist besonders amüsant, denn der angelt mit einer Angel an der sich zwei Haken befinden und tatsächlich zieht er immer zwei Fische mit diesem Ding raus, und das jedes Mal wenn er die Angel wieder reinhält. Nicht schlecht!
Endlich kann man direkt nach dem Aufstehen wieder einfach ins Wasser hüpfen. Ist das schön!
Dann wird gemütlich gefrühstückt und gegen Mittag machen wir uns dann auf den Weg nach Puerto Naos, der Hafen in dem die größte Fischereiflotte der Kanaren beheimatet ist.

Schön segeln wir, den Genaker gesetzt, entlang der Küste bei strahlendem Sonnenschein. Nach knappen 30sm kommen wir in Puerto Naos an. Hier geht es eng her. Kreuz und quer ist das ganze Hafenbecken voll mit Seglern und Fischerbooten. Es gibt zwar zwei Stege aber auch diese sind voll.
Wir finden dennoch ein Plätzchen und legen uns dort hin, quetschen uns da einfach dazwischen. Am späten Abend machen wir dann noch Bekanntschaft mit unserem „Nachbarn", einem äußerst unfreundlichen Gesellen aus der Schweiz.
Im war das wohl zu nah, wie wir da lagen, doch wenn wenig Platz ist, dann geht das eben nicht anders; sollte der eigentlich auch wissen! Naja, solche muss es wohl auch geben. Besonders schön ist es hier nicht, war auch zu erwarten, denn Fischerhäfen sind meist nichts Besonderes. Eine Besonderheit gibt es doch hier: meterhoch hüpfende Fische und die sind nicht mal klein. Was es nicht gibt, ist eine Möglichkeit trockenen Fußes an Land zu kommen. Alles abgeriegelt oder nur über steile Felsen zu erreichen, wo man mit dem Dingi nicht hinfahren kann. Also ist auch hier einklarieren Fehlanzeige und mit einem kleinen Landgang ist auch nichts drin. Bleiben wir eben an Bord und fahren morgen wieder weiter nach Arrecife, die Hauptstadt von Lanzarote.


Schon um 08:00 Uhr ist am Dienstag Morgen der Anker oben und mit einem Ankeraufholmanöver das die Welt noch nicht gesehen hat verlassen wir Puerto Naos. Das war Präzisionsarbeit wie Thomas da steuerte und jonglierte bis wir unseren Anker frei hatten und aus dem Hafen fuhren.
Wir fahren sozusagen nur um die Ecke, nach Puerto de Arrecife, denn dort kann man einklarieren.
Arrecife heißt übersetzt Riff, und davon gibt es hier mehr als genug. So ist selbst diese kurze Strecke mit offenen Augen zurückzulegen, denn das sind wirklich fiese Dinger und die gibt es auch noch direkt vor der Hafeneinfahrt. Dort angekommen sieht die Welt gleich wieder viel freundlicher aus. Wir haben einen schönen Platz, einen netten Nachbarn aus Brisbane und hier kann man auch an Land gehen, was Thomas und Andi nach dem Frühstück dann auch tun. Während die Männer die Formalitäten erledigen mach ich „klar Schiff".
Zum Einklarieren mussten die beiden doch tatsächlich wieder in die Nähe von Puerto Naos fahren, mit dem Taxi.
Am Nachmittag ist dann alles erledigt und wir verlassen Arrecife und machen uns auf den Weg zu den schönsten Sandstränden der Insel, Playa de Papagayo.
Die Gegend entlang Playa de Papagayo steht unter Naturschutz und ist nur über eine Sandpiste zu Fuß zu erreichen und tatsächlich total unberührt. Die Hotelneubauten kommen zwar näher, doch die schönen Strände bleiben ( noch ) verschont.
Nicht nur die Gegend um diese Strände ist beeindruckend, sondern generell Lanzarotes Landschaft. Markant und schön an zu sehen sind die weißgetünchten Häuser mit ihren grünen oder blauen Türen und Fenstern.
Von Norden bis Süden ist die ganze Insel von einer Gebirgskette durchzogen und Vulkankegel und Schlackenfelder überziehen weite Teile der Insel. Die Beschaffenheit der Gegend hat die Bauern auf Lanzarote erfinderisch gemacht. In Trichtern aus Vulkanasche, die die Luftfeuchtigkeit aufsaugt, bauen sie beispielsweise Rebstöcke des Malvasierweins, Zwiebeln und Süßkartoffeln an. Was die Niederschlagsmengen angeht herrscht auf Lanzarote Wüstenklima, denn es regnet selten und selbst Wolken sollen hier eine Seltenheit sein.
So kommt es; das wir auch eine Seltenheit erleben, denn es hat Wolken und davon nicht wenig! Doch die Sonne kommt noch durch, was will man mehr!


Mittwoch und es gibt immer noch reichlich Wolken am Himmel und der Wetterbericht kündigt Winde an, bei denen es besser ist an der Südküste zu bleiben.
Dennoch lichten wir Mittags den Anker und fahren, nein wir fahren nicht, wir segeln nach Playa Blanca, 3sm weiter.
Nachdem es im Hafen selbst keinen Platz für uns gibt ankern wir vor dem Hafen und vor dem Strand von Playa Blanca und fahren dann mit dem Dingi an Land.
Eigentlich wollten wir hier im Hafen etwas Wasser tanken, denn das ist seltsamerweise fast alle. Dabei haben wir gar nicht viel Wasser verbraucht ?!?
Doch wenn man hier keinen festen Liegeplatz hat gibt es im Hafen leider keinerlei Versorgungsmöglichkeit. Halb so schlimm, wir haben ja eine Entsalzungsanlage an Bord, dann wird die eben angeworfen.
Wasser war nicht der einzige Grund nach Playa Blanca zu gehen. Es gibt endlich mal wieder eine Süddeutsche Zeitung, und, wir haben Flüge gebucht, denn wir machen ja noch eine Unterbrechung für Service. Und dieser Service wird ein echter Service, nicht wie der im August! Ein Service für Mensch und Maschinen, und da es für beide ein großer Service wird, dauert er auch etwas länger, nämlich bis Mitte November.
Doch noch sind wir auf Lanzarote und da Playa Blanca auch ein recht ungeschützter Platz ist bleiben wir nicht hier sondern gehen dahin zurück, wo wir hergekommen sind, nach Playa de Papagayo.


Und weil es hier so schön ist verbringen wir auch den Donnerstag in Playa de Papagayo. Um diesen traumhaft schönen Strand nicht nur aus der Ferne zu betrachten schmeißen wir uns ins Dingi und fahren an den Strand. Dort spazieren wir über feinsten Sand ebenso über Vulkangestein. Richtig gemütliche Ecken und Nischen gibt es hier die auch gut besucht sind.

Heute ist der 100ste Tag unserer Reise und darauf sollten wir doch das Glas erheben. So gibt es als sundowner ein Glas Sekt. Auf die nächsten 100!
Wie bestellt gibt es einen berauschenden Sonnenuntergang, als würde der Himmel brennen.
Später am Abend wird es jedoch noch recht ungemütlich an unserem Plätzchen denn der Wind wird ziemlich stark und hat sich bereits gedreht. Nimmt der Wind noch mehr zu, können wir hier nicht bleiben, weil es direkt in die Bucht steht. Somit stehen wir auf Halte und besprechen vorsorglich schon mal wo wir denn hin fahren, wenn wir von hier weg müssen. Doch bis Mitternacht hat sich alles wieder weitestgehend normalisiert, wir bleiben und können schlafen gehen.

  
sundowner


Freitag und es ist langsam doch an der Zeit das Revier zu wechseln. Nicht das wir nicht gerne mehr gesegelt wären in den Kanaren, doch leider leider, sie sind nicht da, die vielgepriesenen Winde aus Nordosten. So machen wir machen uns auf den Weg zur Isla de los Lobos und können tatsächlich dennoch ein paar Meilen segeln.
Los Lobos ist eine vorgelagerte Insel Fuerteventuras die ebenfalls unter Naturschutz steht und angeblich nur von einer Fischerfamilie bewohnt wird. Die Ansteuerung der Ankerplätze um die Insel herum ist wieder mit äußerster Vorsicht zu genießen. Riffe ohne Ende und diese umgeben von traumhaft klarem Wasser. Wir ankern in der Nähe einer genialen Lagune. Auch diese ist abgetrennt durch ein Riff. Ein Franzose traut sich tatsächlich bei Hochwasser mit seinem Dingi in die Lagune. Naja, mit dem Rückweg muss er sich wohl gedulden, denn bei Niedrigwasser besteht keine Chance aus der Lagune herauszukommen. Viel Spaß!
Bis auf die Tatsache das hier ein Auflugsdampfer nach dem Anderen aus Corralejo angerauscht kommt haben wir hier ein supergemütliches und schönes Plätzchen. Nachdem die ganzen Ausflügler wieder weg sind macht sich Andi mit Schnorchel und Flossen auf den Weg und kommt mit einem tollen Erlebnis zurück, er hat einen richtig großen Rochen gesehen, und das wohl relativ nah.
Von hier sieht man die meilenlangen Sandstrände Fuerteventuras die leider auch ziemlich wolkenverhangen sind, doch wir bleiben verschont.


Samstag der 29.09. und heute brechen wir auf um Puerto Calero anzulaufen, der Hafen in dem SILVER BLUE bis zu unserer Rückkehr liegen wird und wo wir dann den Service fürs Schiff machen werden. Den Service für Mensch gibt es in Deutschland, denn meinen Blinddarm nehmen wir nicht mit über den Atlantik.
So machen wir uns auf den Weg auf unsere vorerst letzten 11sm. Es ist kaum zu glauben, doch auf dieser kurzen Strecke erwischt uns fast noch ein fettes Gewitter. Langsam gibt uns das doch zu denken. Wolken sollen doch hier eine Seltenheit sein und Gewitter erst recht. Das soll einer verstehen!
So laufen wir unter bedecktem Himmel in Puerto Calero ein und um 15:30 Uhr sind die Leinen fest gemacht und das für die nächsten Wochen.
Doch damit ist noch nicht Feierabend, nicht für heute und auch noch nicht ganz für diese Woche.
Aufklaren ist angesagt. Thomas und Andi nehmen sich SILVER BLUE von Außen vor und ich von Innen, zumindest den ersten Teil. Außerdem gilt es sich zu erkundigen wo was ist und zu guter Letzt geht es zum Abendessen.


Da es jetzt für ein paar Wochen nichts zu schreiben gibt, endet das Logbuch dieser Woche nicht mit dem Samstag sondern mit Sonntag dem 30.09.2001.

Andi

  
Frühstück unter strahlend blauem Himmel. O.k. ein paar einsame Wolken hängen da noch, aber nur wenige. Gestärkt geht es an Aufklaren die Zweite! Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Hierbei stellt sich auch heraus wodurch unser vermeintlich hoher Wasserverbrauch entstand. Der Heißwasserboiler leckt!
Doch man soll ja nicht nur arbeiten, also gehen wir auf einen kleinen Snack in ein Restaurant.
Heute heißt es nach 2 ½ Wochen Auf Wiedersehen sagen, denn Andi reist heute ab. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder an Bord?!

An dieser Stelle einen Gruß nach München an Andis Freundin Bille.


So, letzte Woche gab es ihn nicht, und diese Woche kommt er ganz zum Schluss, Desserts kommen immer erst zum Schluss: der kulinarische Tipp heute kurz und knapp

Crepe mit Orangen und ...

Pro Person 1 Orange
1 Glas Nutella
Grand Marnier
Crepes

Crepes nach einem Grundrezept ausbacken
Orangen filetieren, wer will kann diese über Nacht in Grand Marnier einlegen

Die Crepes mit Nutella bestreichen, in der Mitte mit den ( marinierten ) Orangenfilets belegen und zusammengerollen. Wer nicht mariniert kann die Orangenfilets einfach ein wenig mit Grand Marnier beträufeln oder den Alkohol einfach ganz weglassen.
Wer es gerne heiß hat, erwärmt den Grand Marnier kurz auf dem Herd und flambiert sich den Crepes!
Guten Appetit!


Wann und wie es nach unserem Service weitergeht?
Ab dem 15. November wollen wir wieder unterwegs sein und wie es weitergeht, ist dann wieder hier nach zu lesen,
... gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long

Grüße von
Diana + Tom