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KW38 2001

16.09.2001 - 23.09.2001

Es ist Sonntag der 16.09. und wir sind noch in Gibraltar. So wie der erste Wetterbericht am Morgen aussieht werden wir hier noch einen weiteren Tag verbringen.
Um die Mittagszeit gibt es einen neuen Wetterbericht, der sieht schon besser aus, d.h. heute geht es los! Bei der Fahrt durch die Straße von Gibraltar muss man das Hochwasser beachten, und das nächste Hochwasser ist um 14:30 Uhr, dann kann es losgehen.
15:00 Uhr und die Leinen sind los und wir lassen Gibraltar hinter uns und machen uns auf den Weg zu den Kanarischen Inseln. 650 Seemeilen liegen vor uns! Auf geht es.
Bereits auf den ersten Meilen sichten wir unsere ersten Delphine.
Drei Stunden sind wir unterwegs und kommen kaum voran. Bei 2500 U/M der Motoren schaffen wir gerade mal 3,5 Knoten.
Durch den Sturm in den vergangenen Tagen ist die See noch so sehr aufgewühlt das wir nicht nur gegen die Strömung ankommen müssen sondern auch gegen eine starke hohe Dünung. Es macht wenig Sinn weiter dagegen anzuknüppeln. Also ändern wir unseren Kurs und steuern Tarifa an. Dort ankern wir bei einer alten Mole und haben somit einen geschützten Platz für die Nacht.


Um halb fünf Uhr ist am Montag Morgen die Nacht vorbei. Ordentlich gefrühstückt holen wir eine Stunde später den Anker auf und machen uns auf den Weg.
Auch heute kommen wir zunächst nur schlecht voran. Wir schaffen gerade mal 9sm in 3 Stunden, Strömung ohne Ende. Doch nach 5 Stunden heftiger Fahrt gegen die Strömung können wir endlich die Segel setzen und die Maschinen ausmachen.
Was leider nicht geht, ist den geplanten Kurs zu fahren, denn wir haben keinen günstigen Wind. So ändern wir den Kurs um weiterhin segeln zu können.
Diese Kursänderung kam jemanden ganz gelegen, denn am späten Nachmittag sind wir plötzlich zu viert an Bord!

Sitzt da ein kleines, total erschöpftes Vögelchen an Deck. Eine Meise oder etwas in der Art. Der Kleine hat sich ganz schön verirrt, fern ab vom Land. Zur Stärkung schieben wir eine kleine Schale mit Wasser und ein paar Brotkrümel in seine Nähe. Es dauert ein wenig dann pickt es in der Wasserschale, doch von dem Brot will es nichts wissen.
Etwas später startet der kleine wieder durch und ist weg. Doch nicht lange, dann sitzt er wieder hinten am Schwimmer und frisst eine Motte. In den weißen Segeln sitzen viele Insekten und da fliegt der Piepmatz hoch und holt sich sein Abendessen. So schleppt er ein Insekt nach dem anderen an und verschmatzt diese genussvoll.

  
Piepmatz

Dann passiert etwas, was kaum zu glauben ist: der kleine Vogel lässt sich anfassen und streicheln. Nicht nur das, Andi hat den kleinen sogar auf der Hand.
Auch Thomas hat den süßen Fratz auf der Hand. Von dort krabbelt er dann den Arm entlang und schlussendlich kuschelt der sich sogar richtig an Thomas ran.
So sitz Thomas mit dem kleinen, angekuschelten Piepmatz da.
Das ein wilder Vogel so zutraulich wird, in der kurzen Zeit, kaum vorstellbar.
Tja, wenn das so ist, dann braucht der kleine auch ein Bett, oder besser, ein Nest. Aus einem kleinen Handtuch und Zaisingen (das sind Bänder um das aufgetuchte Segel zusammen zu binden ) machen wir ein Nest und Thomas setzt das Vögelchen hinein und es bleibt tatsächlich darin sitzen. Die ganze Nacht schläft der kleine Fratz in diesem Nest, goldig! Wir haben es nicht ganz so gut wie der kleine Vogel, denn Nachtwache ist angesagt, und leider nicht segelnd, kein Wind!
Tom und Andi machen die erste Wache bis um 01:00 Uhr und dann ist Wechsel, dann machen Andi und ich zwei Stunden zusammen, dann kann auch Andi schlafen gehen.
Es sind wieder reichlich dicke Dübel unterwegs, da heißt es wieder aufpassen und vor allem ausweichen. Dazwischen bleibt jedoch reichlich Zeit, den super Sternenhimmel zu genießen. Es ist kurz vor 6 Uhr am Dienstag Morgen und die Segel werden gesetzt und es ist Schichtwechsel, Thomas ist wieder dran mit Wache.
Ab heute machen wir die Wache im 3 Stunden Rhythmus und das logischer Weise rund um die Uhr.
Leider hält der Wind nicht lange vor und kaum eine Stunde später sind die Segel wieder eingeholt und die Maschinen gestartet.
Piepmatz hat auch ausgeschlafen und flattert aus seinem Nest heraus. Als wollte er sich verabschieden fliegt er direkt zu Thomas und setzt sich neben ihm auf die Winsch, lässt sich noch einmal kraulen und flattert zum Fernglas. Zum Abschied setzt er noch ein kleines Häufchen aufs Fernglas und weg isser!

  
Etwas später gibt es etwas größeres zu sehen, Andi sichtet einen Wal der nicht weit von uns auftaucht!
Mit dem Wind will das heute einfach nichts werden, nur aus südwestlicher Richtung und das ist leider gar nichts für uns. Nachmittags gegen 15 Uhr dreht dann der Wind und wir könnten Segel setzen und eigentlich wäre auch Schichtwechsel, doch das verzögert sich alles ein wenig, denn die Angelleine läuft aus, ein Fisch!
Eine schöne Dorrade hängt am Haken. Petri heil! Den Fisch versorgt werden dann die Segel gesetzt und so geht es schön dahin und wir kommen richtig gut voran. Leider hält es die Nacht hindurch nicht an, da müssen wir wieder mit Motor fahren.



In den frühen Morgenstunden des Mittwoch, so gegen halb fünf gibt es dann wieder Wind und wir setzen die Segel. Diesmal bleibt der Wind etwas länger stabil und so können wir bis Mittag segeln, dann heißt es für ca.2 Stunden die Maschinen anmachen und danach segeln wir wieder schön.
Ab und an den Motor anmachen kann auch nicht schaden, denn wir brauchen ja auch ein bisschen Strom.
Für ein paar Stunden haben wir heute sogar wieder Besuch, es sind wieder zwei Vögel an Bord. Doch die sitzen nur auf der Reling und fahren ein paar Meilen mit. Unser Piepmatz war auf jeden Fall einmalig!
Heute wird an Bord mal Brot gebacken, Vollkornbrot gibt es. Und zum Abendessen gibt es den schönen selbstgefangenen Fisch mit Kartoffelsalat.
Was es diese Woche nicht gibt: der kulinarische Tip! Fällt aus!
Da wir bis in die Nacht hinein und in den nächsten Tag hinein segeln können, präparieren wir uns für die Nacht und machen ein Reff ins Großsegel.
In dieser Nacht ist vom Sternenhimmel nicht all zu viel zu sehen, da es ziemlich bedeckt ist. Dafür gibt es ein Sternenmeer im Wasser, direkt hinter uns und unter uns.
Plankton, phosphoreszierendes Plankton leuchtet im Wasser als wäre es ein Sternenregen. Wie soll man das nur beschreiben? Es ist auch zu vergleichen mit einem Feuerwerk, diese Leuchtraketen die eine Art Sternenregen zaubern. Und wir haben sozusagen Dauerfeuerwerk am Heck und rechts und links neben dem Schiff, eben überall wo das Wasser stärker bewegt ist und dieses Plankton an die Wasseroberfläche kommt.
Und dann sind da ein paar Delphine, Delphine bei Nacht. Auch die ziehen einen langen hellen Schweif hinter sich her, tauchen direkt neben uns auf und wieder unter. Nur kurz aber unbeschreiblich schön!
Was weniger schön ist, ist das gegen 04:00 Uhr am Donnerstag in der Früh der Wind aus allen Richtungen kommt, immer weniger wird und zu guter letzt fast einschläft so das wir fast stehen bleiben. Also werden die Motoren angeschmissen und die Segel eingeholt und so bleibt das bis zum Nachmittag.


Heute gibt es eine Premiere: Andi hat seinen ersten Fisch geangelt, einen schönen Thunfisch!
Petri heil! Also wenn die Männer so weiterangeln ist die Ernährung sichergestellt!
Sicher ist auch, das die Amerikaner am GPS rumschrauben. Denn beim Blick auf das Display unseres GPS haben wir plötzlich eine Geschwindigkeit von über 300 Kts und nichts stimmt mehr. Was das wohl bedeuten mag?! Ausgestanden ist das alles längst noch nicht, auch das ist sicher. Über Deutsche Welle Nachrichten versuchen wir auf dem Laufenden zu bleiben, was in der Welt geschieht seit dieser schrecklichen Katastrophe in New York.
Es dauert 2 Stunden und das GPS funktioniert wieder einwandfrei! Also ist es offensichtlich das daran etwas gemacht wurde.

  

Mit dem Segeln will das heute nicht so recht klappen. Erst am Abend haben wir genug Wind um wieder zu Segeln. Und damit es für die Nacht nicht zu heftig wird machen wir auch gleich wieder ein Reff ins Großsegel und sind somit gerüstet für die Nacht.
Doch es reicht nicht für die ganze Nacht hindurch, um 3 Uhr ist es vorbei und wir motoren wieder.


Freitag und es liegen noch immer 183sm vor uns und 16 Kts Wind gegen uns, also direkt von Vorne. Das ist alles andere als schön. Wir kreuzen und kreuzen und kommen einfach nicht voran. Ähnlich wie die Schildkröte die an uns vorbeitreibt, die daddelt auch nur so dahin! Was es auch nicht gibt ist mal wieder ein anständiger Wetterbericht. Zur Mittagszeit treffen wir den Containerfrachter MONTE ROSA aus Hamburg und da fragt Tom per Funk mal an, ob die einen brauchbaren Wetterbericht haben. Der Kapitän, selbst am Funk, sagt er hat auch nur die Vorhersage die wir seit Tagen haben und nicht zutrifft. Denn vorhersagen tun sie den Wind, den wir gerne hätten und den es eigentlich um diese Jahreszeit hier haben sollte nämlich Wind aus nordöstlicher Richtung bis Windstärke 5. Alles Banane, nix is!
Nichts desto trotz wird gesegelt, dann kreuzen wir hald wieder und machen mittlerweile auch ganz schön Fahrt, wenn auch gegen teilweise heftige See.
Heute Morgen um 07:00 Uhr haben wir die Segel gesetzt und sie bleiben den ganzen Tag bis in die Nacht hinein oben. Wir haben sogar schon ein zweites Reffs reingemacht.
Gegen Mitternacht wird der Wind sogar so stark, dass wir ein drittes Reff ins Großsegel machen müssen uns wir alle drei an Deck sind. So, und mit einer ziemlich kleinen Genua geht es durch die Nacht. Und was für eine Nacht!
Der zunehmende Wind hat ordentlich Seegang aufgebaut und zu allem Überfluss braut sich direkt vor uns auch noch ein Gewitter zusammen. Es ist 02:00 Uhr am Samstag Morgen als ich die Gewitterfront auf dem Radar sehe und es gibt kein Ausweichen. Keine Stunde später ist dann auch für Thomas die Nachtruhe vorbei, denn wir hängen wir mitten drin in dem Unwetter. Schnell die Genua noch kleiner gemacht geht es auch schon rund.
Es regnet in Strömen, schüttet wie aus Eimern und der Wind pfeift uns mit mehr als 30 Knoten um die Ohren, ganz zu schweigen von den meterhohen Wellen durch die wir hindurch müssen. Halb fünf, dann muss auch Andi raus aus der Koje und wir sind wieder alle an Deck. Für Andi die Gelegenheit endlich sein Ölzeug zu testen, und das ausgiebig!
Die Maschinen an und die Genua ganz eingeholt ist es harte Arbeit das Schiff zu steuern und auf Kurs zu halten.
Gegen halb sechs Uhr ist dann das schlimmste überstanden und wir sind durch das Gewitter hindurch. Das war was!
So begann also der 95. Tag unserer Reise, Samstag der 22.09.
Nach dieser Nacht brauchen wir ein kräftiges Frühstück und ich eine extra Mütze voll Schlaf. Als kleines Extra steigt dann auch noch die Steuerbordmaschine aus. Das heftige Auf und Ab hat wohl in den Dieseltanks Dreck aufgewühlt der jetzt in der Dieselleitung hängt und diese verstopft. Das heißt: Thomas muss in den Motorraum!
Am Nachmittag hat er das dann auch erledigt und die Maschine schnurrt wieder. Dann wird noch aus den Kanistern Diesel in die Tanks gefüllt und gut is.
Es ist 17:00 Uhr und wir haben noch 100sm vor uns. So rüsten wir uns auch heute für die Nacht und reffen das Groß und dann können auch die Koteletts in die Pfanne damit wir auch gestärkt sind für diese letzte Nacht und wir sagen für heute und diese Woche tschüss.

Unsere Ankunft bei den Kanarischen Inseln und was uns die neue Woche so alles gebracht hat ... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long

Grüße von
Diana + Tom
und Andi