Archiv
KW 01 2002
01.01.2002 - 05.01.2002
Es ist Dienstag der 01.01.2002 und wir wünschen allerseits ein frohes, gesundes
und zufriedenes neues Jahr.
Schön, dass ihr uns auch im neuen Jahr auf unserer Reise begleitet und hier
unsere Erlebnisse mitverfolgt.
Nein, mit dem neuen Jahr nehmen hier keine anderen Sitten Einzug, nicht wirklich!
Auch weiterhin erscheint das Logbuch hier wieder Dienstags, informiert und
berichtet über die vergangene Woche und das immer von Sonntag bis Samstag.
Vielleicht gibt es ja noch etwas Neues, mal sehen! Also dann, bleibt mit dabei!
Dass das letzte Logbuch bis zum Montag ging und soooo spät kam, das war so
zu sagen „umständehalber" aber jetzt geht wieder alles seinen geregelten Gang!
Es ist Dienstag, es ist Neujahr und wir sind in der Karibik, sind in Antigua,
English Harbour! Die erste Nacht ohne Wache liegt hinter uns!
Sicherlich, waren wir auch ein wenig weg und somit war die Nacht an sich nicht
ganz so lange, doch wir können heute ja mal richtig ausschlafen. Eine Nacht
ohne Wache heißt auch endlich mal wieder richtig schlafen, nicht mit einem
Auge und einem Ohr wach bleiben müssen. Das tut schon gut!
So gibt es heute also ein spätes Frühstück, sogar so spät das wir uns von
einem Einheimischen sagen lassen müssen, das eigentlich schon fast Lunchtime
ist, also Zeit, einen kleinen Mittagsimbiss zu sich zu nehmen. Doch das stört
uns reichlich wenig und wir frühstücken ausgiebig an Deck, bei 30°C und strahlendem
Sonnenschein.
Wenn auch Neujahr ist und somit Feiertag haben wir noch allerhand zu tun.
Aufklaren die Zweite ist angesagt, heute nehmen wir uns SILVER BLUE innen
vor. Nicht das jetzt jemand auf die Idee kommt wir hätten in den knapp 4 Wochen
die wir unterwegs waren nicht geputzt, doch heute ist alles komplett dran,
incl. Bilge.
Thomas darf ( muss ) allerdings um etwas anderes kümmern, der Generator verlangt
mal wieder nach Pflege. Darf er auch, denn der hatte auch ordentlich was zu
leisten während unserer Überfahrt. Annähernd hundert Stunden ist er gelaufen,
dann hat er sich auch einen Ölwechsel und einen neuen Impeller verdient. So
hat jeder was zu tun und er Rest des Tages ist relativ schnell vorbei.
Dazu ist zu sagen, das es hier in der Karibik früh dunkel wird. Bereits um
17:30 Uhr fängt es an zu dämmern und eine halbe Stunde später ist es von jetzt
auf gleich dunkel, nacht! So bringen wir uns selbst auch noch auf Vordermann
und machen uns auf den Weg ins HQ ( Headquarter ) wo wir sehr gut und nett
zu Abend essen.
Hat schon was, sich mal wieder einfach hin zu setzten, zu bestellen, genießen
und wieder gehen. Nicht kochen, nicht abwaschen!
Die Mahlzeiten hatten während unserer Atlantiküberquerung eine wirklich wichtige
Rolle eingenommen. Es war mehr als gut, dass wir für Frühstück und Abendessen
feste Zeiten vereinbart hatten und auch festgelegt wurde, wer dies zubereitet.
Und es gab immer etwas anständiges. Nicht etwa kalte Ravioli oder so, nein,
wir haben immer was leckeres gekocht! Und immer sind wir zu den Essenszeiten
zusammengekommen.
Manch einer mag jetzt denken: „ zusammengekommen, so ein Quatsch, die waren
doch auf einem Schiff, die sind doch immer zusammen, sehen sich ständig, können
ja gar nicht anders!"
Irrtum, das ist nur bedingt richtig. Nehmen wir doch einfach mal das Frühstück:
es ist nicht selbstredend, das derjenige welche, der von 03:00 -06:00 Uhr
Wache hat um 10:00 Uhr schon wieder auf der Matte steht. Doch wir haben das
so festgelegt und das war gut so, denn so konnte man sich erzählen was die
Nacht hindurch so los war.
Kurzum: unser Wachsystem war einfach genial!
Zur Erinnerung, jeder hatte 4 Stunden Tagwache und 3 Stunden Nachtwache!
Dann gibt es da noch was: wie wird es wohl sein, wenn wir wieder festen Boden
unter den Füssen haben? Wer schon mit dem Schiff unterwegs war, und länger
nicht an Land war, der weiß was worauf ich hinaus will! Es gibt nämlich nicht
nur Seekrankheit, nein, es kann auch vorkommen, das einem nach länger Zeit
auf See, dann an Land schlecht wird. Der Körper, respektive das Gleichgewichtsorgan,
ist so daran gewöhnt aus zu gleichen, das er das immer noch macht. Jetzt ist
da aber nichts mehr was schwankt und wackelt, also was ausgeglichen werden
müsste und dadurch wird einem dann an Land übel.
Doch das ist zum Glück keinem von uns widerfahren.
Was war am Mittwoch? Am Mittwoch war Tag der großen Wäsche, doch das meiste
wurde weg gebracht, waschen und trocknen lassen und wieder abholen. Zwar eine
ganz schöne Schlepperei, doch wenigstens wird es gemacht, wenn auch für ganz
schön viel Geld! Hier ist eh alles um ein vielfaches teurer als wo anders.
Um einen kleinen Eindruck davon zu bekommen:
im Supermarkt ein Croissant = 4.- DM, ein halbes Pfund Kaffee = 20.- DM oder
ein Glas Senf kostet ca.16.- DM oder um genau zu sein, 16,40 $EC, das sind
Eastern Caribbean Dollars. Im Restaurant eine Pizza 33 $EC.
$EC ist die Währung hier, $EC oder $US.
Unterm Strich einfach ein teures Pflaster aber schön!
Von der DM zu schreiben ist nun auch ziemlich überholt, die ist ja nun nicht
mehr aktuell. Der Euro hat ja jetzt das Sagen. Erstaunlich war, als wir hier
bei der Bank DM tauschen wollten; DM existieren hier überhaupt nicht, oder
nicht mehr! Auf jeden Fall wollte die hier kein Mensch haben. So schnell geht
das.
Es ist Mittwoch und das Logbuch ist noch nicht geschrieben. Das gab es noch
NIE! Doch irgendwie ist ein wenig Erholung angesagt und einfach mal nichts
tun. So kommt es, das es auch heute nicht geschrieben wird. Statt dessen schmeißen
wir uns alle vier ins Dingi und fahren an den Strand, ausspannen. Ausspannen
d.h. Muscheln sammeln, schwimmen, Schnorcheln, Sandburg bauen oder einfach
nur in der Sonne liegen. Ausspannen eben!
Auch das Nichtstun macht hungrig. Heute gibt es so zu sagen direkt vor der
Haustür bzw. vor der Gangway ein BBQ. Die Galley Bar macht BBQ. Da gehen wir
doch hin.
Und damit das auch alles gut rutscht ist heute auch noch bei den Getränken
2 für 1; 2 trinken und 1 bezahlen. Das BBQ war total lecker aber leider etwas
wenig. So sitzen wir mit großen Augen am Tresen und melden das mal an, als
das Ganze wieder zurück in die Küche verfrachtet wird. Doch das scheint nicht
wirklich jemanden zu interessieren. Dann hald nicht! Denkste; es ist kurz
vor Mitternacht als Maximilian ( Mr. BBQ ) den Grill noch einmal anschmeißt
und uns einen Teller voll mit Rippchen und Hühnerkeulen reicht. Ist das nicht
nett!?
|
Es ist Donnerstag und irgendwann holt einen alles ein,
auch das Logbuch. Heute muss es also sein. Thomas und Martin gehen eine
Runde Golf spielen, Petra geht eine Runde shopping und ich mache mich
ans Werk. Das ganze zieht sich etwas, da es am Nachmittag 3 Mal regnet.
Ich hätte nie gedacht, das es in der Karibik so grüne Inseln gibt doch
jetzt ist klar , wie das sein kann. Mehrmals täglich gibt es kurze aber
heftige Regenschauer, da sprießt natürlich alles und die Vegetation
gedeiht.
Was lange wärt wird endlich wahr und so ist das Logbuch dann auch fertig und ich mache mich mit Petra auf den Weg nach Falmouth Harbour wo wir uns im Bistro „Seebreaze" ein köstliches Eis gönnen. |
![]() |
![]() |
Also wenn hier von köstlich die Rede ist, dann muss an dieser Stelle
das Restaurant erwähnen werden, in dem wir zum Abendessen waren: ABRACADABRA. Steht man vor dem Haus, würde man auf den ersten Blick nicht vermuten, was sich dahinter verbirgt: feinste italienische Küche mit regionalen und überregionalen Zutaten. Nicht nur das, alleine die Präsentation der Speisekarte ist ein Erlebnis für sich. Der Eigentümer, Pablo, präsentiert die einzelnen Gerichte, das man am liebsten alles bestellen würde. Und wie sich das gehört gibt es eine schöne Auswahl an Vorspeisen, 6 verschiedene Gerichte als 1.Gang und annähernd 10 für den Hauptgang. Hier passt einfach alles. Alles in Einem: ein Gedicht! |
So ist auch verständlich, warum in einem Haus wie diesem ohne Reservierung
nichts läuft! Nach diesem köstlichen Abendessen läuft bei uns nichts mehr.
Wir laufen noch, und das zurück an Bord und somit ist auch der Donnerstag
vorbei.
Freitag, und es ist nun wirklich an der Zeit, langsam mal wieder die Leinen
los zu machen und den Hafen zu verlassen. Wir machen so weit alles klar und
dann sind um 12:00 Uhr die Leinen los, der Anker oben und wir sind unterwegs
zur Tankstelle denn ein wenig Diesel darf es auch mal wieder sein.
Wir wollen nicht weit, nur in eine gemütliche ruhige Buch. Und genau diese
liegt nur 20sm entfernt bei Five Island Harbour und nennt sich Maiden Island.
Five Island ist keiner der Häfen wie man sie kennt, hier ist absolut nichts.
Nur Ruhe, rechts und links und vor uns Strände. Rechtzeitig angekommen gibt
es einen phänomenalen Ankertrunk.
Thomas hat Rumpunsch gemixt; ein Traum!
So sitzen wir im Cockpit, genießen die Umgebung, die Ruhe und das geniale
Getränk. Was kein Genuss darstellt sind die Moskitos die hier rumschwirren
und Petra und mich fast auffressen. Da hilft auch kein einsprühen und eincremen
mehr.
Dann gibt es eben noch einen extra Rumpunsch, dann geht das schon.
Über dies wohlschmeckende Getränk haben wir etwas die Zeit aus dem Auge verloren
so dass das Abendessen heute deutlich später stattfindet.
|
Samstag der 05. Januar und die erste Woche vom neuen
Jahr ist schon fast um. Was auch um ist, ist die Zeit mit Petra und
Martin, denn die fliegen morgen wieder zurück nach Deutschland.
Doch ehe das geschieht suchen wir noch einen traumhaften Strand auf: Ffryes Bay. Kurz vor 14:00 Uhr kommen wir dort an und ankern auf nur 5 m direkt vor dem Strand. Von dort klingen Steels, also typisch karibische Klänge. Da wippt man einfach mit, ob man will oder nicht, das geht gar nicht anders. Nichts wie rein ins Wasser und direkt an den Strand geschwommen. Das ist wieder was für Muschelsammler und damit vergeht die Zeit ganz schnell. Doch da wir hier nicht über Nacht bleiben können, ist es um 17:00 Uhr an der Zeit den Anker zu lichten und unser Ziel für die Nacht an zu steuern, Jolly Harbour. |
![]() |
Die Ankunft in Jolly Harbour ist etwas enttäuschend. Keine Menschenseele
zu sehen, die Marina ist geschlossen am Abend, niemand da. So ist die einzigste
Möglichkeit längsseits bei der Tankstelle fest zu machen. Schick der Platz.
Doch es hilft nichts; wir wollen noch zu Abend essen und Petra und Martin
müssen morgen in der Früh los zum Flughafen. Also nehmen wir damit vorlieb
und machen uns auf den Weg zur Suche nach etwas Essbarem. Zufällig treffen
wir noch auf einen Hochzeitsgesellschaft, bei der es ganz lustig zu sein scheint.
Wir finden ein schönes Steakhaus, Peter´s, hier grillt der Chef persönlich
und das richtig gut.
So gehen wir satt und zufrieden zurück an Bord, nehmen dort noch einen kleinen
Schlummertrunk und sagen Gute Nacht.
An Euch sagen wir wieder, ... was uns die neue Woche so gebracht
... in einer Woche wieder hier:
gleiche Welle, gleiche Stelle!
so long
Diana + Thomas
Übrigens zum Thema Welle: am Sonntag den 13.01.2002 gibt es auf UKW bei SWR3
zwischen 16 und 18 Uhr mal wieder was von, mit und über uns!
Also, wer Lust hat, einschalten oder übers Internet www.swr3.de
Jetzt sollte ja fast alles beim Alten bleiben, also fehlt noch der kulinarische
Tipp.
Das wird heute kein Menü sein oder so, sondern wirklich nur ein Tipp!
Zur Erinnerung, in der letzten Woche des alten Jahres haben wir noch einen
Barracuda gefangen und, den haben wir natürlich auch gegessen, und zwar so:
Fischfilet säuern, salzen, pfeffern ... in Mehl wenden, in verquirltem Ei
wenden und dann in ein superleckeren Mischung:
100g Paniermehl
ca. 50g frisch geriebener Parmesan und ca.30 g geriebener Emmentaler, dazu
3 EL frischer, gehackter Dill. Alles schön vermengen und die Fischfilets damit
panieren und schön goldbraun ausbacken. Reis oder Salzkartoffeln dazu, vielleicht
mit Salat vielleicht mit einem leichten Gemüse, je nach belieben!
Guten Appetit!
Ach ja, vielleicht gibt es ja noch etwas Neues!?
Folgende Zeilen stehen als Vorwort in einem kleinen Buch:
Jeder einzelne Tag offenbart für sich genommen nur einen kleinen Ausschnitt
des Daseins. Dennoch hält er die ganze Fülle des Lebens bereit - jeder neue
Morgen ist eine Einladung Zum Glücklichsein. Doch Tag für Tag muss man sich
dieses Geschenks aufs Neue bewusst werden. Zu häufig verlangen die alltäglichen
Anforderungen ihr Recht. Denn zu leben bedeutet neben aller Schönheit und
Freude auch, Herausforderungen zu meistern, Ärger zu überwinden und dunklere
Stunden zu bewältigen. Gerade deshalb ist es besonders wichtig, den Blick
wach zu halten und aufmerksam gegenüber den vielen Chancen zu bleiben, die
nur darauf warten, genutzt zu werden.
Denn Tage sind die Schritte auf dem Weg des Lebens.
In diesem Büchlein befinden sich Worte großer Dichter und Denker, die zum
Innehalten einladen, zum Nachdenken anregen, das Bewusstsein schärfen, stellen
in Frage, spenden Mut und schenken Vertrauen in die Kraft des Daseins und
seiner Möglichkeiten.
Und genau aus diesem kleinen Buch werden sich zukünftig hier auf unseren Seiten
ein paar Worte wieder finden.
Den Anfang machen wir mit Worten von Elsa Triolet
„Ein Ziel haben, träumen, die Vorstellungskraft üben, denken, entdecken, erfinden,
die Türen zum Unbekannten öffnen!"
Wären wir unterwegs, würden diese Worte nicht stimmen?






